Katzen im Mittelalter

Artikel

Joshua J. Mark
von , übersetzt von Marina Wrackmeyer
Veröffentlicht am 20 Mai 2019
X
translations icon
Verfügbar in anderen Sprachen: Englisch, Französisch, Türkisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch

Katzen wurden im Mittelalter aufgrund der mittelalterlichen Kirche, welche die Katze mit dem Bösen in Verbindung brachte, im Allgemeinen bestenfalls als nützliche Quälgeister und im schlimmsten Fall als Vertreter Satans angesehen. Vor der weit verbreiteten Akzeptanz des Christentums galten Katzen jedoch als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft und wurden in einigen Kulturen sogar verehrt.

Das Leben einer Katze im Mittelalter (ca. 476-1500) unterschied sich erheblich von dem eines Hundes, hauptsächlich aufgrund ihrer Verbindung mit Hexerei, Dunkelheit und dem Teufel. In der Antike wurde die Katze von so unterschiedlichen Kulturen wie China, Ägypten und Rom hoch angesehen, aber im 13. Jahrhundert hatte sie in Europa ihren früheren Status längst verloren und wurde in der Regel wegen ihres praktischen Nutzens bei der Eindämmung von Ungeziefer toleriert, aber nicht oft als Haustier geschätzt.

Werbung entfernen

Advertisement

Medieval Drawing of a Cat in a Tree
Mittelalterliche Zeichnung einer Katze auf einem Baum
Getty Museum (CC BY)

Die Katze verlor ihre frühere Position durch die Bemühungen der mittelalterlichen Kirche, die die Verbindung der Katze mit Teufeln und Dunkelheit als Teil ihrer langjährigen Agenda zur Dämonisierung heidnischer Glaubensrichtungen, Rituale und Werte förderte. Der Gelehrte Desmond Morris schreibt:

Religiöse Eiferer wenden oft den listigen Trick an, die Helden anderer Leute zu Bösewichten zu machen, um ihren eigenen Zwecken zu dienen. Auf diese Weise wurde der alte gehörnte Gott, der frühere Kulturen beschützte, in den bösen Teufel des Christentums verwandelt, und aus der verehrten heiligen Katze des alten Ägyptens wurde die böse Hexenkatze des mittelalterlichen Europas. Viele Dinge, die von einem früheren religiösen Glauben als heilig angesehen wurden, wurden automatisch von einer neuen Religion verdammt. Auf diese Weise begann das dunkelste Kapitel im langen Bund der Katze mit der Menschheit. Jahrhundertelang wurde sie verfolgt, und die Grausamkeiten, denen sie ausgesetzt wurde, erhielten die volle Unterstützung der Kirche. (158)

Nachdem die Katze einmal mit Satan in Verbindung gebracht worden war, wurde sie regelmäßig gefoltert und getötet, entweder um Unglück abzuwehren, als Zeichen der Hingabe an Christus oder als integraler Bestandteil von Ritualen, die Ailuromantie beinhalteten (die Verwendung von Katzen zum Vorhersagen der Zukunft). Katzen wurden von Päpsten verurteilt und von ganzen Dörfern massakriert und erlangten bis zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert nicht einmal die Hälfte ihrer früheren Stellung zurück. Das viktorianische Zeitalter des 19. Jahrhunderts brachte die vollständige Wiederherstellung des positiven Status der Katze.

Werbung entfernen

Advertisement

Katzen in der Antike

Die Assoziation der Katze mit dem alten Ägypten ist wohlbekannt. Katzen wurden so hoch geschätzt, dass sich die Menschen laut Herodot, wenn ein ägyptisches Haus in Brand geriet, zuerst darum bemühten, ihre Katzen zu retten, und erst dann daran dachten, das Feuer zu löschen. Wenn eine Familienkatze starb, hielten die hinterbliebenen Menschen die gleichen Trauerrituale ein wie für ein menschliches Familienmitglied, und Katzen wurden häufig in feinstem Leinen mumifiziert.

The Obsequies of an Egyptian Cat
Trauerfeier für eine ägyptische Katze
John Reinhard Weguelin (Public Domain)

Die Katze im alten Ägypten war eng mit der Göttin Bastet verbunden, die für den Herd, das Haus, die Frauen und die Geheimnisse der Frauen verantwortlich war. Bastet war eine der beliebtesten Gottheiten Ägyptens, weil sie ihren Anhängern unabhängig von deren Geschlecht Frieden und Wohlstand versprach. Jeder Mann hatte eine Mutter oder Schwester, eine Frau oder Tochter, die er liebte und beschützt wissen wollte, während er sich zugleich ein ruhiges und wohlhabendes Heim wünschte, und das war es, was Bastet versprach.

Werbung entfernen

Advertisement

Jedes Jahr reisten Tausende von Ägyptern zu ihrem Fest in ihre heilige Stadt Bubastis, und sie und ihre Katzen wurden so hoch geschätzt, dass sich die ägyptische Armee 525 v. Chr. in Pelusium den Persern ergab, da diese Bastets Bildnis auf ihre Schilde gemalt hatten und Katzen und andere Tiere vor sich her zu den Stadtmauern trieben. Die Ägypter zogen es vor, sich zu ergeben, anstatt den Katzen Schaden zuzufügen.

Die Ägypter verboten den Export von Katzen – das außer Landes Bringen einer Katze wurde mit dem Tod bestraft.

In Griechenland und Rom erreichte die Katze nie den gleichen göttlichen Status, wurde aber dennoch geschätzt. Die Griechen erkannten den Wert der Katze bei der Schädlingsbekämpfung und hielten sie auch als Haustier, während die Römer, die es vorzogen, Mäuse und Ratten mithilfe von Wieseln loszuwerden, sich darauf konzentrierten, ihre Katzen als Gefährten zu verwöhnen. Katzen genossen das Leben im alten Rom fast so sehr wie in Ägypten, wie lateinische Autoren und römische Gräber, die trauernde Katzenbesitzer darstellen, bezeugen.

Die Ägypter verboten den Export von Katzen – das außer Landes Bringen einer Katze wurde mit dem Tod bestraft – und richteten in ihren Häfen eine Spezialeinheit ein, die auslaufende Schiffe durchsuchte, um sicherzustellen, dass keine Katze an Bord geschmuggelt worden war. Geschickte Besatzungen und Kapitäne müssen jedoch einen Weg gefunden haben, dieses Gesetz zu umgehen, da Katzen von Ägypten nach Griechenland, Rom und Nordeuropa transportiert wurden. Verantwortlich dafür waren höchstwahrscheinlich die Phönizier, die Seefahrermeister und bedeutendsten Händler der Antike, die möglicherweise auch die Assoziation der Katze mit Hexerei und der Unterwelt verbreiteten.

Werbung entfernen

Advertisement

Katzen, Frauen und Juden

Die Phönizier, die von Land zu Land reisten, transportierten mit ihren Waren auch die Mythen und Legenden einer Kultur. Die griechische Göttin Hekate (und ihr römisches Gegenstück Trivia) herrschte über Tod, Dunkelheit, Magie/Hexerei und Geister. Hekate war eng mit Hunden verbunden, die der Legende nach ihr Nahen hören konnten und heulten. Ein Hund, der ohne Grund zu bellen schien, soll tatsächlich die Familie vor Hekate und ihren Geistern an der Tür gewarnt haben.

Ancient Egyptian Ink Drawing of a Cat & Mouse
Altägyptische Tintenzeichnung einer Katze und Maus
Brooklyn Museum (CC BY)

Ein sehr populärer Mythos verband Hekate jedoch mit Katzen, und das war die Geschichte des großen griechischen Helden Herakles (der römische Herkules). Herakles wird gezeugt, als der Gott Zeus die sterbliche Prinzessin Alkmene verführt. Hera, die eifersüchtige Frau von Zeus, versucht, Alkmene zu töten, aber eine Frau namens Galinthias, Magd von Alkmene, vereitelt Heras Plan und rettet ihre Herrin und den zukünftigen Helden. Wütend bestraft Hera Galinthias, indem sie sie in eine Katze verwandelt und sie in die Unterwelt schickt, um Hekate zu dienen.

Der Herakles-Mythos gehörte zu den beliebtesten in der Antike und erhielt einen weiteren Aufschwung durch den Schriftsteller Antoninus Liberalis (2. Jahrhundert n. Chr.) in seinen Metamorphosen, einer Nacherzählung älterer Legenden und Geschichten, welche von ihrer ersten Veröffentlichung an bis ins 9. Jahrhundert kopiert und verbreitet wurden und sich bis zum 16. Jahrhundert als Bestseller hielten.

Werbung entfernen

Advertisement

Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung des mittelalterlichen Europas Analphabeten waren, spielte dies keine Rolle, da Geschichten üblicherweise mündlich übermittelt wurden. Diese Geschichte, die die Katze mit Dunkelheit, Hexerei und der Unterwelt in Verbindung bringt, gepaart mit den Bemühungen der Kirche, die Werte früherer Glaubensrichtungen zu dämonisieren, trug nicht unerheblich dazu bei, die Katze zu einer unterdurchschnittlichen Existenz zu verurteilen.

Zum schlechten Ruf der Katze trugen auch ihre aus Ägypten übernommene Assoziation mit dem Weiblichen und das schlechte Licht bei, in dem Frauen im frühen Mittelalter gesehen wurden. Vor der Popularisierung des Marienkultes im Hochmittelalter (1000-1300), verbunden mit der französischen romantischen Tradition der höfischen Liebe, die den Status der Frau erhöhte, waren Frauen eng mit Eva und dem Sündenfall im Garten von Eden verbunden. Frauen galten als von Natur aus sündig, lustvoll und verantwortlich für den ersten Sündenfall sowie für alle Mühen, die jeder einzelne Mann nach Adam ertragen musste.

Cat with a Bishop's Crosier & Miter
Katze mit Bischofsstab und Mitra
Getty Museum (CC BY)

Die Mythologie der Bibel, die als göttliche Wahrheit angesehen wurde, verunglimpfte auch Juden als Christusmörder, und während des gesamten Mittelalters in Europa wurden Juden auch mit der Katze in Verbindung gebracht. Juden sollen die Katze verehrt haben und sollen die Fähigkeit gehabt haben, sich in Katzen zu verwandeln, um sich in christliche Häuser zu schleichen und dort Unfug zu treiben oder Zauber zu wirken, und es wurde auch geglaubt, dass sie Katzen als Verhöhnung des Todes Christi kreuzigten. Für die patriarchalische Kultur des Mittelalters war die Katze also mit Abstand das abscheulichste Geschöpf, das je über die Erde gekrochen war.

Katzen als Wahrsager und ein Dekret des Papstes

Gleichzeitig fanden mittelalterliche Christen die Katze jedoch nützlich zur Schädlingsbekämpfung und als Mittel zu übernatürlichen Einsichten. Es wurde beobachtet, dass Ratten und Mäuse und anderes Ungeziefer von ein oder zwei Katzen im Haus gut kontrolliert wurden, und Kaufleute und Schiffsbesatzungen betrachteten sie auch als nützlich, um Getreidelieferungen oder andere Fracht beim Transport oder bei der Lagerung zu schützen.

Die Ausübung von Ailuromantie, durch die man die Zukunft vorhersagen konnte, indem man die Bewegungen einer Katze beobachtete, führte auch zu etwas höherer Wertschätzung der Katze. Ailuromantie bestand größtenteils nur darin, eine Katze zu beobachten, deren Verhalten angeblich das Wetter vorhersagen konnte, einen unerwarteten Gast an der Tür und andere solche Dinge. Ailuromantie nahm jedoch eine ausgesprochen schlimme Wendung in einem Ritual, das als Taghairm bekannt ist und in Schottland während des gesamten Mittelalters und bis ins 16. Jahrhundert praktiziert wurde.

Eine Person nahm eine Katze und drehte sie lebendig am Spieß über einer offenen Flamme. Das qualvolle Schreien der Katze sollte den Teufel herbeirufen, um eine der Seinen zu beschützen. Der Teufel flehte die Person an, das Leiden der Katze zu beenden, aber die Person harrte aus, bis der Teufel versprochen hatte, eine bestimmte Bitte zu erfüllen – oft eine Vorhersage der Zukunft – und erlöste erst dann die Katze von ihrem Elend.

A Hunter & Dogs Attacking a Treed Wild Cat
Ein Jäger und Hunde greifen eine wilde Katze auf einem Baum an
Getty Museum (CC BY)

Die Katze wurde durch das Werk des Schriftstellers Walter Map (ca. 1140-1210) weiter mit dem Dämonischen in Verbindung gebracht, da dieser behauptete, dass die religiöse Bewegung der Patarener (die Reformen in der katholischen Kirche anstrebten), welche er eng mit der häretischen Sekte der Katharer assoziierte, die Katze als Teil ihrer dunklen Riten verehrten. Map berichtet, wie Christen, die in Sünde und Irrglauben gefallen waren, als sie sich den Patarenern anschlossen, aber seitdem zum wahren Glauben zurückgekehrt waren, folgenden Bericht über ein regelmäßig begangenes Ritual gaben:

Zur ersten Nachtwache sitzen die Familien bei geschlossenen Türen, Eingängen und Fenstern schweigend in ihrer „Synagoge“ und warten. Und mittendrin erscheint, an einem Seil hängend, eine schwarze Katze von beträchtlicher Größe. Sobald sie diese Katze sehen, wird das Licht gelöscht. Sie singen oder rezitieren Hymnen nicht auf deutliche Weise, sondern sie murmeln sie durch zusammengebissene Zähne und fühlen im Dunkeln dorthin, wo sie ihren Herrn gesehen haben, und wenn sie ihn finden, küssen sie ihn, je nach ihrer Torheit umso demütiger, manche an den Pfoten, manche unter dem Schwanz, manche an den Genitalien. (De Nugis Curialium, Z. 30)

Die Geschichte von Map – nirgendwo sonst bestätigt und möglicherweise sogar satirisch – wurde so weit verbreitet und so oft wiederholt, dass sie anscheinend in die päpstliche Bulle einfloss, die Katzen verurteilte. Papst Gregor IX. (1227-1241) sandte als Reaktion auf die zunehmenden Häresieberichte aus ganz Europa den Inquisitor Konrad von Marburg (lebte 1180-1233) nach Deutschland, um Ketzer mit allen Mitteln, die er für notwendig hielt, auszurotten. Konrad schickte dem Papst einen Bericht über tückische Rituale zurück, der Maps früherem Bericht über das Katzenritual sehr ähnlich klingt, nur mit der Hinzufügung eines Frosches zum Gottesdienst.

Papst Gregor IX. reagierte mit der Herausgabe der Bulle Vox in Rama im Jahr 1233, in der Katzen – insbesondere schwarze Katzen – als böse und mit Satan verbündet angeprangert wurden. Konrad beschuldigte ausdrücklich den deutschen Adligen Heinrich III., Graf von Sayn (gestorben ca. 1246), an diesen Ritualen teilgenommen zu haben, aber Heinrich konnte seinen Namen vor einem Gericht reinwaschen und seine Position behalten. Konrad wurde kurz darauf „auf mysteriöse Weise“ ermordet. Der Bericht, den Konrad Papst Gregor IX. gab, konnte von keinem anderen Inquisitor oder sonst jemandem bestätigt werden, aber das Konzept der Katze als dämonisch war nach 1233 noch tiefer im öffentlichen Bewusstsein verwurzelt.

The Ogre & the Cat
Der Oger und die Katze
Unknown Artist (Public Domain)

Auch hier spielte es, wie bei der zuvor zitierten Geschichte, in der Galinthias zur Katze wird, keine Rolle, wie viele Menschen Gregors Vox in Rama lesen konnten oder dies getan hatten. Was zählte, war die Haltung der Kirche gegenüber Katzen, die von den Menschen durch Sonntagspredigt und einfache Gespräche aufgenommen wurde und von den höheren Ebenen der Kirche zu den Gemeinden in Städten und Dörfern durchsickerte. Die Bulle war von Anfang an kaum verbreitet, da sie nur an Heinrich III. ausgegeben worden war, und ihre Wirkung konnte daher nur indirekt gespürt werden.

Wie auch immer der Inhalt der Bulle von Papst Gregor IX. an die Öffentlichkeit gelangt war, er bedeutete nichts Gutes für Katzen und diejenigen, die sie gerne hatten. Ältere Frauen, die Katzen hielten, unterlagen besonders der Gefahr von Hexereivorwürfen, wie die Gelehrte Virginia C. Holmgren feststellt:

Eine alte Frau, die allein lebte und keine Verwandten hatte, die ihr zur Hand gehen konnten, schätzte oft eine Katze als liebe Freundin und einzige Gefährtin. Katze und altes Weib waren immer zusammen, und die Katze machte jede Arbeit zum Spiel, besonders die Aufgabe, den Haushof mit einem dürren Zweigbesen zu fegen. Jeder Dorfbewohner, der sich in den Büschen versteckte, um nach Beweisen für Hexerei zu spionieren, konnte sehen, wie sich die Katze auf das Zweigbündel stürzte, um über den holprigen Boden gezogen zu werden, und Besen und Katze nach Treffen auf einen versteckten Stein für einen kurzen Moment in der Luft schwebten. Genau in diesem Moment unternahm vielleicht in einem nahe gelegenen Schloss eine andere geliebte Katze den gleichen verspielten Ritt auf der seidenen Schleppe ihrer Herrin, die von Fenster zu Spiegel ging, während die umstehenden Menschen liebevoll lächelten. Aber es lag ein Lächeln auf den Gesichtern dieser spionierenden Dorfbewohner, als sie nach Hause rannten, um Beweise zu liefern, dass Hexerei im Gange war. (108-109)

Es war eine übliche Strafe, eine verurteilte Hexe mit ihrer Katze in einen Sack zu stecken und beide in einen Fluss zu werfen.

Holmgrens Beobachtung der Dame und der Katze in ihrem Schloss ist zutreffend, wie aus den Hausaufzeichnungen von Lady Eleanor von Montfort (auch bekannt als Eleanor von England, lebte 1215-1275) hervorgeht, die eine Katze zur Schädlingsbekämpfung hielt, sie aber auch als Haustier umhegt zu haben scheint. Lady Eleanor war mächtig genug, um Dover Castle zu kontrollieren, zu unterhalten und schließlich dessen Übergabe zu verhandeln und hatte von Hexereivorwürfen nichts zu befürchten, aber das Gleiche galt nicht für die einfachen Frauen in den Dörfern und Städten. 80% der im Mittelalter in Europa der Hexerei Angeklagten waren Frauen, und die Anklage endete fast immer mit dem Tod der Frau. Obwohl das bekannteste Bild eine auf dem Scheiterhaufen verbrannte angebliche Hexe ist, war es weitaus üblicher, die Verurteilte mit ihrer Katze in einen Sack zu stecken und beide in einen Fluss zu werfen.

Die Rückkehr der Katze

Der Ausbruch der Beulenpest im Jahr 1348 wurde oft einem umfassenden Massaker an Katzen nach Papst Gregors IX. Vox in Rama zugeschrieben, aber diese Theorie ist unhaltbar, da dies nur ein Vorkommen der Pest unter vielen war; die Pest hatte Europäer schon lange vor 1233 getötet. Trotzdem scheint es kein Streitpunkt zu sein, dass eine Abnahme der Katzenpopulation vor und nach der päpstlichen Bulle zu einer Zunahme von Mäusen und Ratten geführt hätte, und es wurde festgestellt, dass es einen solchen Rückgang vor 1348 gab.

The Plague by Arnold Bocklin
Die Pest von Arnold Böcklin
Arnold Böcklin (Public Domain)

Selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, könnten die Pestepidemien von 1233 bis 1348 auf eine größere Anzahl von Parasiten übertragenden Nagetieren, denen es möglich war, in Abwesenheit einer großen Katzenpopulation zu gedeihen, zurückgeführt werden. Die Menschen des Mittelalters hatten keine Ahnung, dass die Pest durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wurde (dies blieb bis 1894 unbekannt) und akzeptierten die Meinung der Kirche, dass die Krankheit Gottes Strafe für Sünden war. Katzen wurden weiterhin verachtet und getötet, weil die Menschen sie weiterhin durch die Linse der Kirche als schlecht und wertlos betrachteten.

Desmond Morris zitiert die andauernde Verfolgung von Katzen während des gesamten Mittelalters und bis in die Renaissance hinein und stellt fest, dass „Edward Topsel noch 1658 in seinem ernsthaften Werk über Naturgeschichte schrieb: ‚Die Vertrauten von Hexen erscheinen am häufigsten in der Form von Katzen, was ein Argument dafür ist, dass dieses Tier für Seele und Körper gefährlich ist‘“ (158). Die Katze wurde bis zum Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert weiterhin so gesehen.

Die protestantische Reformation (1517-1648) brach die Macht der Kirche über das Leben der Menschen und ermöglichte eine größere Gedankenfreiheit. Obwohl es wie immer Menschen wie Edward Topsel gab, die an früheren Überzeugungen festhielten, stand es den Menschen nun frei, die Ansichten der Kirche über das Leben im Allgemeinen und Katzen im Besonderen in Frage zu stellen. Der Geist der Aufklärung ermutigte die Menschen, Katzen einfach aus Freude an der Gesellschaft als Haustiere zu halten, und dieser Trend wurde im viktorianischen Zeitalter (1837-1901) immer weiter verbreitet, als Königin Victoria der Katze den Status zurückgab, den sie im alten Ägypten genossen hatte.

Als der Stein von Rosetta um 1822 entziffert wurde, machte dies die ägyptische Kultur der Welt zugänglich. Früher hatte man Hieroglyphen für geheimnisvolle Ornamente gehalten, aber sobald man sie als Sprache verstand, rückte die ägyptische Zivilisation stärker in den Fokus und zog weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Geschichten über fantastische Funde in alten Gräbern machten in England und auf der ganzen Welt Schlagzeilen, und einige davon handelten von Bastet und der ägyptische Liebe zu Katzen. Victorias Interesse an Ägypten veranlasste sie, zwei blaue Perserkatzen zu adoptieren, und sie machte sich einen Ruf als Züchterin von Ausstellungskatzen. Da Victoria eine beliebte Monarchin war, berichtete die Presse über ihre Interessen, und diese Interessen wurden von anderen geteilt, die nun ihre eigenen Katzen haben wollten.

Victorias Bemühungen trugen dazu bei, dass die Katze ihren alten Platz in der menschlichen Gesellschaft wieder einnahm. Ihre Liebe zu Katzen wurde in Amerika von der beliebten Zeitschrift Godey's Lady's Book erwähnt, die zwischen 1830 und 1878 von Louis A. Godey aus Philadelphia herausgegeben wurde. 1836 trat die Schriftstellerin Sarah Josepha Hale der Redaktion von Godey bei und begann, Artikel zu schreiben, in denen die Vorzüge der Katze und die Freuden des Katzenbesitzes gepriesen wurden.

Der beliebte Autor Mark Twain trug neben vielen anderen zu dieser Dynamik bei, indem er über die erhabenen Freuden der Katze als Gefährtin schrieb und Vorträge hielt, und so war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das mittelalterliche Konzept der Katze als Werkzeug Satans ersetzt durch das der Katze als Gefährtin und geschätztes Familienmitglied, ein Konzept, das Katzenliebhabern in der heutigen Zeit ebenso vertraut ist wie denen der antiken Welt.

Fragen und Antworten

Wie wurden Katzen im Mittelalter angesehen?

Obwohl viele Leute Katzen als Haustiere oder zur Schädlingsbekämpfung hielten, wurden Katzen im Mittelalter in der Regel negativ angesehen und für die Begleiter von Hexen gehalten.

Wurden Katzen im Mittelalter regelmäßig getötet?

Es gibt zwar keine Beweise für weit verbreitete Massaker von Katzen, aber sie wurden aufgrund ihrer Verbindung zur Hexerei und auch als eine Form der Wahrsagung getötet.

Warum wurden Katzen im Mittelalter als böse angesehen?

Katzen wurden im Mittelalter als böse angesehen, da die Kirche alles verteufelte, was in früheren heidnischen Glaubenssystemen wertgeschätzt worden war. Katzen waren in den heidnischen Systemen Ägyptens und Roms hoch angesehen und wurden deshalb von der mittelalterlichen Kirche abgelehnt.

Wann wurden Katzen als Heimtiere akzeptiert?

Katzen erlangten umfassende Akzeptanz als Heimtiere im 19. Jahrhundert, als Königin Victoria von England zwei blaue Perserkatzen adoptierte. Victoria war eine beliebte Monarchin, und viele Leute adoptierten daraufhin ebenfalls Katzen.

Übersetzer

Marina Wrackmeyer
Marina lebt in Großbritannien und beschäftigt sich gerne mit Sprachen und Geschichte.

Autor

Joshua J. Mark
Joshua J. Mark ist freiberuflicher Schriftsteller und ehemaliger Teilzeitprofessor für Philosophie am Marist College in New York. Er hat in Griechenland und Deutschland gelebt und ist durch Ägypten gereist. Er hat Geschichte, Schriftstellerei, Literatur und Philosophie am College unterrichtet.

Dieses Werk Zitieren

APA Stil

Mark, J. J. (2019, Mai 20). Katzen im Mittelalter [Cats in the Middle Ages]. (M. Wrackmeyer, Übersetzer). World History Encyclopedia. Abgerufen auf https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1387/katzen-im-mittelalter/

Chicago Stil

Mark, Joshua J.. "Katzen im Mittelalter." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. Letzte Mai 20, 2019. https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1387/katzen-im-mittelalter/.

MLA Stil

Mark, Joshua J.. "Katzen im Mittelalter." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. World History Encyclopedia, 20 Mai 2019. Internet. 29 Sep 2022.